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APRIL 2014

Lagerbox

Stauraum gesucht

Marcel und Doris Ostermann bieten Stauraum – in Form von derzeit 400 Lagerboxen auf insgesamt 5.000 m². Und da Platz in Innsbruck weder billig ist noch mehr wird, stapeln sich bei den Ostermanns nicht nur Habseligkeiten, sondern auch Anfragen.

Fotos: Emanuel Kaser
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nfang der 2000er Jahre war Marcel Ostermann mit seiner Frau Doris auf einer dreijährigen Weltreise unterwegs. Sie hatten sich eine Auszeit genommen. Marcel arbeitete zuvor selbstständig als Elektrotechniker, verbrachte viel Zeit im Auto. Er wusste, dass er nach der Rückkehr nach Innsbruck etwas Eigenes aufbauen wollte, gemeinsam mit seiner Frau. Eine gute Idee musste her. Es galt, die berühmte Nische zu entdecken.

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„Unser Ziel war es, etwas zu finden, dass mit so wenig physischer Präsenz unsererseits zu organisieren ist und uns finanziell absichert. Wir wollten auch in Zukunft viel reisen und so unabhängig wie möglich sein“, blickt Ostermann heute zurück. Im Zuge der Weltreise war das Paar auch in Nordamerika unterwegs und neben Erinnerungen, Urlaubsfotos und Souvenirs brachten Marcel und Doris auch die gesuchte Geschäftsidee mit nach Hause: Lagerboxen und Einstellräume, für gewerbliche wie private Kunden. „Für alle, die einfach zu wenig Platz haben und Teile ihrer Habseligkeiten sicher und bequem irgendwo verwahren wollen. Dieses Angebot haben wir in den USA kennengelernt und wussten gar nicht, ob es so etwas in Österreich auch gibt“, erzählt Marcel Ostermann. Heute sind seine Frau Doris und er zumindest in Westösterreich die einzigen, die diesen Service in dieser Größenordnung anbieten.

Start-ups & Co.

2006 gründeten Marcel und Doris Ostermann ihr Unternehmen „DeineLagerBox“. Aller Anfang war in ihrem Fall nicht zwingend schwer, aber zunächst einmal klein. Sie mieteten ein Gebäude im Gewerbegebiet Rossau mit einem 300 m² großen Keller. Sie wollen herausfinden, ob der Bedarf an Lagerfläche überhaupt gegeben war. „Innerhalb von 24 Stunden war die 

„Zwei Studentinnen wollten einmal mehrere Hasenkäfige bei uns unterbringen. Samt lebenden Inhalt, über den Sommer.“

Marcel Ostermann

Problemlöser und Schwiegermütter.

Etwa 85 Prozent der Kunden von „DeineLagerBox“ sind Dauermieter. Kurzzeitmieter lassen ihre Habseligkeiten durchschnittlich bis zu sechs Monaten in der Obhut von Marcel Ostermann und seinem vierköpfigen Team. „Bei privaten Kunden sehen wir immer wieder, dass wir Problemlöser sind.“ Trennungen, Scheidungen, WG-Auflösungen, wenn Paare zusammenziehen, Menschen Job und Land wechseln oder für einen gewissen Zeitraum in den Außendienst versetzt werden – immer lautet die Frage: Wohin mit dem gesamten Hausrat?

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Im Zuge ihrer Arbeit können Marcel und Doris Ostermann dabei immer wieder ähnliches menschliches Verhalten beobachten: „Zieht ein Paar zusammen, sind es meist die Sachen des Mannes, die bei uns landen und nicht in die neue Wohnung mit einziehen dürfen. Bei Scheidungen sind es meist die betrogenen Ehefrauen, die sofort ausziehen und Platz für ihre persönlichen Dinge bei uns brauchen“, berichtet der Unternehmer. „Es sind aber auch die Männer, die immer wieder wissen wollen, ob sie bei uns ihre Schwiegermutter einlagern dürften“,

ergänzt Doris Ostermann schmunzelnd. Dürfen sie natürlich nicht, vertraglich geregelt ist auch die Lagerung von Illegalem oder Lebewesen verboten.

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Dass letztere Klausel nötig ist, beweist eine Anekdote aus den Anfangszeiten des Unternehmens. „Zwei Studentinnen wollten einmal mehrere Hasenkäfige bei uns unterbringen. Samt lebenden Inhalt, über den Sommer“, erzählt Ostermann, immer noch kopfschüttelnd. Auch die Kripo, zehn Mann hoch, stand mit einem Kunden vor der Tür: „Wir mussten gemeinsam dessen Lagerbox öffnen, in der sich nur ein Karton befand, sonst nichts. Er hatte Firmendaten gestohlen.“

 

Kreative Lösung.

Werden Boxen nach Kündigung aus irgendeinem Grund nicht geleert, haben Marcel und Doris Ostermann auch für diese seltenen Fälle eine kreative Lösung gefunden. Muss ein Lagerbestand aufgelöst werden, bieten sie Flohmarktverkäufern an, den Inhalt zu übernehmen. „Sie bekommen die Waren gratis und wir müssen nicht ausräumen“, freut sich Ostermann.