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APRIL 2014

Kino

Computerliebe

Spike Jonze schafft mit seinem neuesten Film ein kleines filmisches Wunder: „Her“ erzählt in leisen Tönen eine eigentlich absurde Liebesgeschichte zwischen Mensch und Maschine, die dennoch richtig unter die Haut geht.

D

er melancholische Theodore (ganz er selbst: Joaquín Phoenix) hat schon bessere Zeiten gesehen: Als hauptberuflicher Verfasser von Liebesbriefen geht er zwar einem einigermaßen krisensicheren Beruf nach, das eigene Gefühlsleben jedoch liegt in Trümmern.

Unerwartete Wendung.

Seine Sozialkontakte beschränken sich auf Amy, eine platonische Freundin aus Studienzeiten (süß und gut wie zuletzt: Amy Adams), und einen Arbeitskollegen. Die Aussichten auf Besserung sind gering, da sich Theodores Leben fast ausschließlich zwischen Arbeit, Computer und Bett abspielt.

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Erst als er ein neues Computer-Betriebssystem installiert, nimmt sein Alltag eine spannende, gänzlich unerwartete Wendung. Samantha (in der unverzichtbaren Originalfassung von Scarlett Johansson gesprochen) – so nennt sich das System selbst – besitzt zwar keinen physischen Körper, sonst jedoch alle Zutaten einer echten Traumfrau: Einfühlungsvermögen,
 

Humor, Erotik, Intelligenz, Selbstbewusstsein. Damit ordnet sie nicht nur Theodores Leben neu, sondern verwickelt ihn auch in eine immer tiefer gehende Romanze.

Meisterlich bis ins letzte Detail.

Regisseur Spike Jonze (bekannt durch „Being John Malkovich“ und „Adaption“) gelingt dabei ein echtes Meisterstück: Er erzählt seine Liebesgeschichte zwischen Mann und Maschine mit derart viel Gefühl, dass sie mit zunehmender Dauer von der Absurdität zur großen Kino-Lovestory mutiert. Ein bis ins Detail liebevoll design-tes Zukunfts-Los-Angeles gibt „Her“ schließlich die glanzvolle Bühne, die der Film braucht, um zur echten cineastischen Ausnahmeerscheinung zu geraten. Die Filmmusik wurde von Arcade Fire und Owen Pallett komponiert, zusätzliche Songs steuerte Karen O von den Yeah Yeah Yeahs bei. Wer jetzt noch Gründe braucht, um ins Kino zu gehen: „Her“ wurde für das beste Screenplay sowohl mit dem Golden Globe als auch mit dem Oscar prämiert.

HER

 

USA 2013.

 

126 Minuten.

 

Regie:
Spike Jonze


 

Mit:
JoaquÌn Phoenix, Amy Adams,
der Stimme von Scarlett Johansson
(in der Originalfassung)