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APRIL 2014

COVERSTORY

„Ich mag das Kreative grundsätzlich nicht“

Seit 25 Jahren ist Christoph Grissemann im österreichischen Radio, Fernsehen und auf den Kabarettbühnen des Landes präsent. Von 22. bis 25. April ist er wieder im Treibhaus zu Gast. Gespielt wird: „Stermann“.

„Meine Zukunft wird wohl eher so aussehen: Toupet und Stöckelschuhe. Hauptsache gesund.“

Wenn Sie Solokünstler wären, welche Saalgröße würden Sie füllen? Wieder keine Ahnung. Kommt wohl drauf an. Wenn ich einen Welthit schreibe, dann würden wohl 10.000 kommen. Wenn ich wieder Witze schreibe, 1.000. So vielleicht.

 

Stermann ist auch Schriftsteller, Sie nicht. Grenzen Sie sich damit ab? Klares Ja. Schuster, bleib bei deinem Leisten. Die Vorbilder sind zu mächtig (Kleist, Grass, Stermann), außerdem fällt mir grade brühwarm ein, dass ich ja auch schon fünf Bücher geschrieben habe. Hat aber auch keinen Schriftsteller aus mir gemacht, sondern lediglich einen Schmierfink. An dieser stelle sei mein Mammutwerk „Debilenmilch“ wärmstens empfohlen. Verlag hab ich vergessen. Googlebar.

 

Oh, Entschuldigung. Gemeint waren die Bücher, die Stermann alleine geschrieben hat. Naja. Sie erwähnen immer wieder, mit 50 aufhören zu wollen. Das wäre 2016. Meinen Sie das ernst? Das ist mein vollster Ernst. Mit 50 tauch ich unter. Neue Identität, Berufswechsel, Kindergärtner vielleicht. Ein neues Leben mit Perücke und Schnurrbart, Pfeife eventuell. Und Hut. Auf alle Fälle Hut.

 

Wofür geben Sie Ihr Geld aus? Für alles Mögliche. Selten dumme Frage. Soll ich’s aufzählen? Hosen, Sessel, Eier, Rum... ach, sie können sich’s denken. So eine dumme Frage.

 

Und Stermann? Es reicht.

 

Würde Stermann als Kabarettist in Deutschland eine Chance haben? Stermann hätte natürlich eine Chance in Deutschland als Knallcha... äh ... als Kabartettist. Der Mann hat doch Talente! Das weiß man doch! Die Fragen werden immer imbeziler … langsam verliere ich die Lust, ich werde unkonzentriert, mein Blick schweift ab, mir wird schwindlig ...

 

Und Sie? Ja sicher. Ist auch keine große Kunst. Fünf, sechs Witze unfallfrei über die Lippen kriegen, das kann doch jeder Ballermann-Animateur. Das Geld liegt auf der Straße. Der Clown bückt sich und sammelt alles ein.

 

Was war der schlimmste Auftritt Ihrer Karriere? Burgenland. Etwa 2009. Stermann bekam gegen Ende der Show einen Herzinfarkt. Er wurde mit dem Krankenwagen ins Spital gefahren. Ich hab den Auftritt souverän allein zu Ende gebracht. Show must go on (nicht von mir, geliehen).

 

„Stermann gluckert mindestens soviel wie ich. Nur halt im Geheimen. Stichwort: Amaretto in der Schublade, Sie verstehen.“

 

 

ZUR PERSON

 

Christoph Grissemann wurde 1966 in Innsbruck geboren. Matura und einige Studienjahre in Wien, seit 1988 beim ORF. 1989 startete die legendäre Radiosendung „Salon Helga“. Heute Moderator von „Willkommen Österreich“ und Werbesprecher.