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APRIL 2014

Kaufen

Heute meins, morgen deins

In unseren Haushalten schlummern durchschnittlich nicht mehr genutzte Gegenstände im Wert von über 1.000 Euro. Zum Wegwerfen zu schade, zum günstig Verkaufen perfekt! Secondhand heißt jetzt „pre-loved“ und liegt voll im Trend, nicht zuletzt weil die Möglichkeiten immer vielfältiger und bequemer werden. 6020 hat sich einen Überblick verschafft.

Fotos: Emanuel Kaser
I

n der Eduard-Bodem-Gasse Nr. 6 läutet das Telefon: „Kind und Kegel, grüß Gott“ meldet sich Andrea Krösbacher gut gelaunt und winkt noch schnell zwei Kundinnen, die gerade das Geschäft verlassen. Die Kundin am anderen Ende der Leitung hat auf der Internetseite eine Babytragetasche entdeckt und möchte diese jetzt telefonisch reservieren. Andrea sagt zu – auch wenn ihre Seite nur ausgewählte Stücke des Sortiments zeigt und kein Onlineshop ist, ist telefonisch reservieren möglich. 

 

Seit elf Jahren betreibt Andrea die größte Secondhand-Kindermoden-Boutique in Tirol und hat zurzeit so viele Kunden wie noch nie. „Derzeit habe ich 800 bis 900‚ Lieferanten’ in meiner Kartei und die Tendenz ist stark steigend“, erzählt sie und kassiert schnell zwei Babyfläschchenwärmer. Andrea bezeichnet sich selbst als „pingelig“ und nimmt nur gut erhaltene Stücke an. „Die Preise lege ich in Abstimmung mit den Verkäufern fest. 

„Derzeit habe ich 800 bis 900 ‚Lieferanten‘ in meiner Kartei und die Tendenz ist stark steigend.“

Andrea Krösbacher
Kaufen: Heute meins, morgen deins

Nach Ebay ist „shpock“ mittlerweile die größte mobile Marktplatz-App im deutschsprachigen Raum.

Haben wollen.

Auch im Internet boomt die Schnäppchensuche. Was früher das schwarze Brett im Supermarkt war, ist jetzt die Kleinanzeige im Onlineportal. Auf willhaben.at gibt es kaum etwas, das es nicht gibt: von Immobilien über Autos und Jobs bis hin zu einem offenen Marktplatz für Gegenstände und Dienstleistungen jeglicher Art. Vor kurzem haben angebotene Rennskier von Skistar Marcel Hirscher für Aufregung gesorgt. Der Verkäufer ist unbekannt, die Anzeige wurde inzwischen gelöscht. Gegründet 2006 in Wien, ist die Webseite inzwischen der größte Onlinemarktplatz Österreichs. Zusätzlich ist willhaben.at eine der meistbesuchten Internetseiten in Österreich. Die Abwicklung eines Kaufs erfolgt meistens per Nachricht, Privatinserate sind kostenlos. 

Flohmarkt in der Hosentasche.

Die App „shpock“ geht noch weiter – sie bringt den Flohmarkt aufs Handy. Der Name ist einVerkürzung aus „Shop in your pocket“. Bücher, Autos, Küchengeräte, Hemden oder Musikinstrumente? Ruckzuck werden die entsprechenden Angebote aufgelistet. Das Besondere: Die Ergebnisse werden nach Entfernung vom eigenen Standort sortiert. Das Kaufen und Verkaufen wird so in der Regel eine Sache der persönlichen Begegnung, ein „Face to Face“-Geschäft quasi mit unkomplizierter Geldübergabe. Alle, die kein Smartphone ihr Eigen nennen, können „shpock“ auch auf dem PC benutzen. Nach Ebay ist „shpock“ mittlerweile die größte mobile Marktplatz-App im deutschsprachigen Raum. Experten gehen davon aus, dass sich der Handel in den nächsten Jahren überwiegend aufs Handy verlagert. Gegründet wurde dieses Unternehmen in Wien – von drei Freunden.

Auch offline ist kleiderkreisel aktiv: seit kurzem werden regelmäßig kostenlose tausch-partys veranstaltet.

„Wir wünschen uns, dass Secondhand erste Wahl wird“

 

Die Macher des Shopping-Portals Kleiderkreisel sind drei Freunde aus Deutschland: Susanne Richter (27), Sophie Utikal (27) und Martin Huber (35). Susanne Richter ist 6020 Rede und Antwort gestanden.

 

6020:


Wie ist die Idee zu kleiderkreisel.de entstanden? SUSANNE RICHTER: 2008 bin ich als Studentin mit meiner Freundin Sophie Utikal in den Semesterferien durch Osteuropa gereist, per Couchsurfing. Dabei sind wir auch auf der Couch von Justas Janauskas in Vilnius, Litauen gelandet, der uns von seiner gerade gegründeten Plattform www.manodrabuziai.lt, der litauischen Schwester von Kleiderkreisel, erzählte. Wir waren sofort von dem Konzept begeistert. Ungefähr ein halbes Jahr später klingelte unser Telefon in München und Justas fragte uns, ob wir das Konzept in Deutschland umsetzen möchten. Neben Studium und Nebenjob haben wir, zusammen mit unserem Mitstreiter Martin Huber, die Seite aufgebaut und uns schnell das wichtigste Know-how eines Unternehmers aneignen müssen, vom Marketing bis zur Buchhaltung. Wir kommen aus vollkommen fremden Fachrichtungen und hatten am Anfang überhaupt keine Ahnung, was eine Bilanz ist und wie man am besten eine Internetseite bewirbt.