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APRIL 2014

ORTSTERMIN

Ein König braucht sein Volk

Jürgen Drews ist mit seinen fast 70 Jahren einer der längstdienenden Schlagersänger im Business. Im Fahrwasser des Schlagerbooms tingelt er von Auftritt und Auftritt und heizt ab Mai wieder jede Woche dem Partyvolk auf Mallorca ein. Zuvor war der „König von Mallorca“ noch für zwei Tage in Innsbruck. 6020 war dabei, amüsiert und manchmal ein wenig irritiert.

Foto: Emanuel Kaser

Am Tag vor dem Auftritt.

„Jüagen“ erzählt gern und viel. Er gibt Antworten auf Interviewfragen, die man eigentlich gar nicht gestellt hat. Wir sitzen einen Tag vor seinem Mausefalle-Auftritt in einer Innsbrucker Hotelbar, ich schaue amüsiert in seine wachen, blauen Augen und überlege mir: „Wie oft hat er die Entstehungsgeschichte seines größten Hits ‚Ein Bett im Kornfeld’ wohl schon erzählt?“ Er erzählt die Geschichte ungefragt ausführlich und bis ins kleinste Detail. In das Schlagergenre sei er zufällig hineingeraten, das ist ihm wichtig zu betonen. Zum wiederholten Mal fährt sich „Jüagen“ durch die langen, gut gefärbten, braunen Haare und mustert mich ganz genau. „Was ist die Mausefalle für ein Laden und wie groß ist die Bühne?“, will er wissen. Ich gebe mich unwissend und sage lieber nichts von meiner Vermutung, dass es dort gar keine richtige Bühne gibt. Ob er sich später noch etwas zum Essen aufs Hotelzimmer bestellen will, wird Jürgen gefragt. „Nein, nein!“, er zieht den Bauch ein, streicht sich darüber und lacht. Von seinem engen, schwarzen Langarmshirt blinkt ein Glitzer-Totenkopf. Erst vor wenigen Tagen wurde der 69-jährige aufgrund eines doppelten Leistenbruchs operiert. The show must go on. „Jüagen“ spielt mir einen neuen, noch unveröffentlichten Song vor. Ihm ist wichtig, dass ich mir den Song konzentriert und von Anfang bis Ende anhöre. Was ich höre: einen treibenden Dance Beat und Jürgens charakteristische Stimme. Sollte der Song tatsächlich rauskommen, werde er mir die CD sofort zuschicken, versichert er mir. Ich freue mich ob der unerwarteten Ehre und bin gespannt auf den Auftritt am nächsten Tag.

Der Auftritt.

Näher dran am Volk kann ein König kaum sein. Jürgen Drews steht mitten unter den Fans auf einem kleinen Podest und hat viel zu tun. Während er singt, animiert er immer wieder Mädchen, zu ihm aufs Podest zu kommen, er schüttelt Hände und posiert für Fotos. Das Volk ist jung und in bester Partystimmung:

 

Ortstermin: Jürgen Drews
Ortstermin: Jürgen Drews
Ortstermin: Jürgen Drews
Ortstermin: Jürgen Drews
Ortstermin: Jürgen Drews
Ortstermin: Jürgen Drews

Wenige Minuten
nach dem Auftritt.

Wieder derselbe „Backstage-Gang“: „Jüagen“ hat wieder viele Komplimente auf den Lippen, dieses Mal für ein dunkelhaariges Mädchen, das er zum Tanzen auf das Podest geholt hat. Er bedankt sich mit zwei Küsschen auf den Mund. Die Anwesenden lächeln verlegen und wissen nicht, wohin sie schauen sollen. „Wo ist der schnellste Weg nach draußen?“ fragt der „König von Mallorca“ und verkündet, schlafen gehen zu wollen. Noch ein paar letzte Autogramm- und Fotowünsche, dann ist die Partynacht für Jürgen Drews auch schon wieder vorbei, zumindest für heute. Nach der Party ist vor der Party.

3 Fragen an Jürgen Drews

 

6020:

Wann geben Sie das Zepter ab und stehen nicht mehr auf der Bühne? Jürgen Drews: Diese Frage wird mir öfter gestellt. Ich mache das, solange es noch Spaß macht.

 

Warum schauen sie mit fast 70 immer noch so jung aus? Zum einen gibt es eine genetische Veranlagung, zum anderen rauche ich nicht und trinke sowenig Alkohol, dass es schon wieder gesund ist (lacht).

 

Sie haben vier Semester Medizin studiert, was für ein Arzt wären Sie geworden? Ein Chirurg. Aber ich habe keine Ahnung, ob so erfolgreich wie mein guter Freund, Schönheitschirurg Werner Mang.

Danke für das Gespräch.