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APRIL 2014

Interview

Dog and the City

Hundehaufen-Verursacher und Jogger-Schreck – in der Stadt scheinen Hunde nicht viele Freunde zu haben. 6020 hat mit dem TV-Hundetrainer Martin Rütter über die Regeln für eine friedliche Ko-Existenz gesprochen.

Fotos: Marc Rehbeck, Guido Engels
6020

Sind Hunde „Stadt-Tiere“? MARTIN RÜTTER: Auf jeden Fall. Es ist nur wichtig, dass dieser Hund auch in der Stadt groß geworden ist und das Stadtleben kennt. Es muss nicht immer der fußballfeldgroße Garten mit angrenzendem Privatwald sein. Wenn ein Hund vernünftig ausgelastet ist, macht er in der Wohnung ohnehin nichts anderes als zu pennen. Dann ist es ihm letztlich völlig egal, ob er in einer 20 Quadratmeter großen Stadtwohnung oder in der Landhaus-Villa mit persönlichem Butler schläft.

 

Wie oft treten Sie in einen Hundehaufen? Ich führe keine Statistik. Aber klar: Gerade beim Thema Hundekot ist es leider noch immer nicht für alle Halter selbstverständlich, den Haufen wegzuräumen. Eine Minderheit zieht so den Ruf aller Hundemenschen buchstäblich in den Dreck. Da bin ich knallhart: Ich plädiere für hohe Geldstrafen, den Leuten muss es wehtun, dann ändern sie ihr Verhalten.

 

Gibt es Städte, die dagegen die perfekte Strategie gefunden haben? Perfekt wäre für mich, wenn bei diesen Menschen, es sind ja wirklich nur Einzelne, eine Bewusstseinsveränderung einsetzt. Wir sind für unsere Hunde verantwortlich, mit allem, was dazu gehört.

 

Was sagen Sie zu einem Hundehalter, wenn Sie sehen, dass er einen Haufen nicht wegräumt? Ob er genauso untätig wäre, wenn das in seinen eigenen vier Wänden passieren
würde. 

 

ZUR PERSON

 

Martin Rütter, geboren 1970 in Duisburg, studierte Tierpsychologie an
einer Privatakademie für Tierheilkunde in der Schweiz. Er ist
Hundetrainer und Buchautor. Seit 2008 steht Rütter bei VOX für die
Sendung "Der Hundeprofi" vor der Kamera. Im März 2010 startete das
daran angelehnte Format "Der V.I.P. Hundeprofi".

 


Eine Flusspromenade, beliebt bei Joggern und Hundebesitzern – welche Regeln sollten hier gelten? 
Die oberste Regel ist für mich, dass wir, die Hundemenschen, für unsere Hunde verantwortlich sind. Dass wir unsere Hunde, gerade wenn es brenzlig wird, unter Kontrolle haben. Wir können nicht völlig unbedarft davon ausgehen, dass partout jeder Mensch, den wir treffen, Hunden gegenüber total aufgeschlossen ist. Es gibt eben viele Menschen, die mit Hunden nichts zu tun haben möchten oder sogar Angst empfinden. Das gilt es zu respektieren. Voraussetzung ist also, dass wir die Körpersprache und Signale unserer Hunde verstehen, dass die Hunde dem jeweiligen Halter vertrauen, sich an Regeln halten, leinenführig sowie in jeder Situation abrufbar sind und natürlich den Umgang mit anderen Menschen und Hunden kennen. Ein gut erzogener, entspannter Hund wird keinen Stress machen.