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DEZEMBER 2013

Ortstermin

Zuhause für eine Nacht

Am 15. November öffnete die Innsbrucker Notschlafstelle für Obdachlose wieder ihre Pforten. Bis Mitte April nächsten Jahres finden hier all jene Unterschlupf, die der Kälte sonst schutzlos ausgeliefert wären. Der Andrang ist groß.

Fotos: Gerhard Berger
D

ie feuchte Kälte kriecht an diesem Novemberabend mühelos durch drei Schichten wärmender Winterkleidung hindurch. Hier draußen in der Rossau ist Innsbruck um diese Tages- und Jahreszeit eine unwirtliche Brache. Vom nahen Inn zieht der Nebel herauf und taucht die menschenleeren Straßenzüge in eine gespenstische Szenerie. Nur im kargen Lichtkegel einer Hauslaterne in der Trientlgasse kauert ein Grüppchen von Leuten. Ein kleines Mädchen, um die sechs Jahre alt, kuschelt sich fröstelnd an seine junge Mutter, eine alte Frau verkriecht sich hockend in ihren dicken, verschlissenen Wintermantel und eine Gruppe junger Männer vertreibt sich die Zeit mit einer angeregten Unterhaltung. Hinter der noch verschlossenen Tür, vor der sie warten, befinden sich die Räumlichkeiten der Innsbrucker Notschlafstelle. Um 18 Uhr werden Stefan Biebl und sein Team den Zugang zu ihrem wärmenden Asyl öffnen.

First come, first serve.

„Wir können 31 Plätze in insgesamt neun Zimmern anbieten. Zusätzlich stehen noch fünf Notplätze zur Verfügung, aber mehr geht aus feuerpolizeilichen Gründen nicht“, erklärt Biebl, der die Notschlafstelle heuer zum zweiten Mal leitet. Als Träger zeichnet sein Arbeitgeber, das Rote Kreuz Innsbruck, für die Einrichtung verantwortlich. Die Gelder zum allnächtlichen Betrieb kommen von der Stadt Innsbruck sowie dem Land Tirol. Biebls Team besteht aus 17 ehren- sowie hauptamtlichen Mitarbeitern, die immer mindestens zu zweit Dienst tun, sieben Nächte die Woche. Kurz vor 18 Uhr herrscht bereits rege Betriebsamkeit. Thermoskannen mit wärmendem Tee und Kaffee werden im Gemeinschaftsraum bereitgestellt, die Decken für die Feldbetten in den Zimmern werden ausgeteilt und beim Eingang liegen Handtücher sowie Toilettartikel bereit.

Notschlafstelle 1

Notschlafstelle Innsbruck

Trientlgasse 6, Rossau

Geöffnet bis 15. April 2014, täglich von 18 bis 8 Uhr.

 

Die Notschlafstelle bietet Unterkunft, Sanitärräume, abends warmes Essen und Getränke dank Unterstützung durch den Vinzi-Bus sowie einmal pro Woche kostenlose medizinische Versorgung.

Gerne nimmt die Notschlafstelle Spenden in Form von Schlafsäcken oder warmen Decken entgegen. Auch Spielsachen für Kinder sind willkommen. Betriebe, die Lebensmittel spenden wollen – vor allem Brot – sind ebenfalls herzlich willkommen. Die Spenden können beim Roten Kreuz Innsbruck oder direkt in der Notschlafstelle abgegeben werden.

 

Doch das ist nicht immer einfach, denn die städtischen Herbergen der Innsbrucker Sozialen Dienste (ISD), die Anlaufstelle für Jugendliche in Not, das Chill Out des Vereins Dowas, oder die Mentlvilla der Caritas, in der Suchtkranke betreut werden, sind keine klassischen Notschlafstellen und haben ihre eigenen Klienten. Letztlich bleibt oft keine andere Möglichkeit, als den Abgewiesenen eine Decke oder einen Schlafsack mitzugeben – sofern vorrätig – und zu hoffen, dass sie die Nacht gut überstehen.

Viele Kinder.

197 Menschen suchten heuer allein in den ersten sechs Nächten Zuflucht in der Trientlgasse. Im Vorjahr waren es im Vergleichszeitraum um 59 Personen weniger. Für Biebl kein gutes Zeichen, er befürchtet in diesem Winter noch mehr Andrang: „Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der November heuer kälter ist.“ Als an diesem Abend um 18 Uhr die Tür der Notschlafstelle geöffnet wird, füllt sich die Baracke schnell mit Leben.

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Beim Einlass werden Name und Herkunft für die hausinterne Statistik notiert. Ausweispflicht besteht keine. Jeder, der die Hausordnung akzeptiert, ist willkommen. Die Mitarbeiter teilen Zimmernummern zu, es

Das Team

Stefan Biebl und Ines Obser