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DEZEMBER 2013

Kino

Der Antiheld

Ethan und Joel Coen gelingt mit „Inside Llewyn Davis“ ein skurriles Sixties-Musikerporträt, das von perfekt besetzten Hauptrollen und detailverliebter Inszenierung lebt.

Foto: Studio Kanal
N

ew York, 1961: Obwohl im Village Aufbruchsstimmung herrscht, meint es das Schicksal nicht so gut mit Folksänger Llewyn Davis (Oscar Isaac). Sein musikalischer Partner hat Selbstmord begangen, der Vater sitzt dement im Matrosenheim, Jean (Carey Mulligan), die Freundin des Freundes, ist – möglicherweise von ihm – schwanger. Als wäre das noch nicht genug, besitzt Llewyn weder Wohnung noch Geld, noch die Aussicht auf einen lukrativen Plattenvertrag. Sein trister Alltag spielt sich zwischen Couch-Hopping, Streitereien und trostlosen Gigs ab. Dass Llewyn immer müder wird, verwundert also nicht, mehr schon, dass er bei aller Tristesse nie seine Coolness verliert.

Exzessive Detailverliebtheit.

Mit „Inside Llewyn Davis“ erzählen die Coen-Brüder eine Antihelden-Musikergeschichte, die mit exzessiver Detailverliebtheit das Prä-Hippie-Amerika der frühen Sechzigerjahre wieder auferstehen lässt. Der triste New Yorker Winter ist dabei in mattes Kodak-Chrome getaucht,

Stadt und Clubs sind verraucht, spröde und dunkel. Die Müdigkeit des von Oscar Isaac glaubwürdig gespielten Llewyn scheint sich auf die ganze Welt zu übertragen, dagegen kann auch die Quirligkeit von Musikerfreund Jim (glänzend naiv: Justin Timberlake) nichts ausrichten. Langsam und zunehmend skurriler werdend bewegt sich die Geschichte hin zu einem Ende, das sich gleichzeitig als ihr Beginn entpuppt. An der Nahtstelle des zur Schleife gewundenen Erzählstrangs ruht die Kamera minutenlang auf Llewyn Davis, der alle Traurigkeit seines Daseins in einen einzigen Folksong legt. 

Grand Prix 2013.

Der perfekt nach Sixties klingende Soundtrack zum Film entstand mit Unterstützung von Marcus Mumford, alle Songs im Film wurden von den Protagonisten selbst gesungen. Für die visuelle Umsetzung von „Inside Llewyn Davis“ war Bruno Delbonnel („Die fabelhafte Welt der Amelie“) verantwortlich, für den „Grand Prix 2013“ dann die Festivaljury in Cannes.