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DEZEMBER 2013

St. Nikolaus

Innsbrucks Finest

Die Stadtteile St. Nikolaus und Mariahilf sind drauf und dran, sich zur coolsten Ecke von Innsbruck zu entwickeln.

Fotos: Gerhard Berger, Emanuel Kaser
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Seit zehn Jahren führt das Ehepaar Leimgruber seinen „Brot und Schulartikel“-Laden in der Innstraße 61. Freitags und samstags steht der Chef selbst ab 6 Uhr früh im Geschäft, um zu verkaufen, was Alt und Jung brauchen: Wachtler-Brot und karierte Hefte.

W

as für eine Gegend: Die Cafés führen Namen wie „Bubi“, „Bärele“, „Nikolo“, der Einzelhandel greift auf eher unübliche Konzepte wie „Zaunverkauf“, „Feuerlöscherwartung“, „Sodaflaschen-Handel“ oder „Brot und Schulartikel“ zurück und Künstler gibt es hier inzwischen auch zuhauf: Mariahilf und der angrenzende Stadtteil St. Nikolaus sind nicht nur das, was man in Großstädten wohl „Boombezirke“ nennen würde, sie besitzen auch einen ganz und gar einzigartigen Charme.

Kreativ-Plätze.

Der lebt wohl vor allem vom besonderen Flair mittelalterlicher Bausubstanz: Enge Torbögen geben versteckte Höfe mit uralter Pflasterung und an Hauserwände geschmiegte Stöcklgebäude frei. In einer solchen Umgebung finden revitalisierte Seifengeschäfte genauso ihren passenden Platz wie Szenekneipen, die Think Tanks junger Innenarchitekten oder Vereine, die sich in ihrem Schaffen ganz offensichtlich der Buntheit, etwas weniger deutlich der Kunst widmen. Kunstvolle Fassaden denkmalgeschützter Häuser wirken nach vorne hin überschaubar, verbergen aber lange Wandfluchten, hinter deren dicken Mauern revitalisierte Wohnungen auf zahlungskräftige Mieter warten.

Barflies und alte Damen.

Die Zeit der billigen Mieten geht auch hier zu Ende, Gentrifizierung heißt das dazugehörige Zauberwort, das einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umstrukturierungsprozess in traditionsreichen Stadtvierteln beschreibt.

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Noch lebt das Alte jedoch: In den schlecht rasierten Barflies, die ihrer Stammkneipe seit Jahrzehnten einen regelmäßigen Besuch abstatten, ungeachtet der Tatsache, dass sich inzwischen Name, Inneneinrichtung und Publikum komplett geändert haben. In den alten Damen, die beim Brotkauf ihre Geldtasche auf die Verkaufstheke legen, damit sich die Verkäuferin doch bedienen möge, „Vergelt‘s Gott“, und dann mit zwei Semmeln nach Hause gehen. Und in den traditionellen Geschäften und Gastronomiebetrieben, in denen man – hat man sie erst einmal betreten – kaum mehr sagen kann, ob gerade 2013 oder 1979 ist.

Ein echter St. Nikolauser Traditionsbetrieb ist das Indische Restaurant Rama in der Innstraße 81. Vor 23 Jahren von Shashi Dhawan gegründet, wird es mittlerweile von Sohn Vinny Dusvald geführt. Shashi steht nach wie vor in der Küche und kocht nordindische Spezialitäten für das Restaurant und zum Mitnehmen. Täglich geöffnet ab 17.30 Uhr.

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In ihrem Goldschmiedeatelier in der Schmelzergasse 8 produziert Sabine Nimz individuelles Schmuckdesign. Weitere Angebote sind u. a. ein eigener Schmuck-Reparaturservice und ein Ehering-Workshop, der es künftig Verheirateten ermöglicht, gemeinsam an den Eheringen zu schmieden.