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DEZEMBER 2013

Essen & Trinken

In Seidls Küche

Über 80-mal hat Flo Seidl schon für MundArt die Kochschürze umgebunden. Zeit, dem Hobbykoch und -dichter einmal einen Besuch in seiner Küche abzustatten.

Foto: Emanuel Kaser
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it Risotto Milanese fing 2005 alles an. „Gekocht hab ich immer schon sehr gerne, ich komme aus einer Familie, in der das sehr wichtig ist“, erzählt Flo Seidl, während er in seiner Küche im Saggen hausgemachte Nudeln mit Tomatensugo zubereitet. Mutter, Vater, Geschwister, sogar seine Oma steht mit über 90 Jahren noch am Herd, liest jeden MundArt-Artikel und spart auch nicht mit guten Ratschlägen. „Sie ist meine härteste Kritikerin“, erzählt der 37-Jährige, „wenn ich eine Zutat oder einen kleinen Arbeitsschritt vergesse, bekomm ich das gleich zu hören.“

 

Der Vergleich mit Jamie Oliver.

Eine Kochlehre hat er nie gemacht, in der Gastronomie gearbeitet schon. Aber es ist das gemütliche Kochen zuhause, das ihn interessiert. Ohne Zeitdruck, dafür mit guten Zutaten, die man sorgfältig aussucht und dann mit erprobten Rezepten verkocht. Das ist seit acht Jahren und 80 Ausgaben das Erfolgskonzept hinter MundArt. Der Vergleich mit Jamie Oliver lag vor allem in den Anfangsjahren auf der Hand – gefreut hat ihn das nie. „Ich hab mich nicht allzu viel mit ihm beschäftigt, aber ich mag die Art nicht, wie er mit Zutaten umgeht. 

Seidlskueche 1

"Selbstgemachte Nudeln schmecken einfach besser", ist Flo Seidl überzeugt.

 

Flo Seidl selbst erinnert sich eher an die Patzer: „Die Faschingskrapfen sind mir damals nicht gut gelungen, die waren in der Mitte noch teigig. Und der Topfenstrudel ist aufgeplatzt, da mussten wir beim Fotografieren etwas tricksen.“ Apropos Fotos: Bis Herbst 2012 war MundArt eine Co-Produktion von Flo Seidl und Fotograf Michael Rathmayr. Seither fotografiert Seidl selbst. Das erfordert Geduld: „Teig kneten, Hände waschen, fotografieren, die Füllung vermischen, Hände waschen, wieder fotografieren.“ So aufwendig diese „One-Man-Show“ auch ist, so viel Spaß macht sie ihm. Denn so kommt alles aus einer Hand: Idee, Rezept, Text und Bild.

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Die Bühne der „One-Man-Show“ ist die Familienküche, die gemütlich, aber auch funktional ist. Edelstahl-Oberflächen zeigen, dass hier jemand kocht, der weiß, wie es in Restaurants zugeht. Die aufgefädelten Werkzeuge – vom Sieb bis zum Kartoffelstampfer – sind ein Indiz, dass hier oft und viel gekocht wird. Auf der Kredenz stehen die wichtigsten Kochbücher. Eine uralte Ausgabe von Olga und Adolf Hess’ Klassiker „Wiener Küche", daneben das „Sacher“-Kochbuch, der „Plachutta“ und eine frühe Ausgabe von Eduard Mayers „Wiener Süßspeisen“. Diese Urgesteine der österreichischen Küche werden zurate gezogen, bevor ein neues Rezept entwickelt wird.