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DEZEMBER 2013

Editorial

Über frühe Warnungen und späte Erkenntnisse

Die beliebteste Form, um Probleme aufzuarbeiten, ist und bleibt die Verdrängung.

G

Gerade eben wieder erlebt beim nicht vorhandenen Budgetloch, von dem keiner etwas wusste, für das niemand etwas kann und über das sich bitte nicht alle so aufregen sollen. Während Zyniker meinen „Wer in der Wirtschaft Milliarden versenkt, sitzt bald im Gefängnis, wer das in Österreich macht, in der Regierung“, meinen Optimisten, dass jetzt hoffentlich der Dümmste kapiert hat, dass es auch in Österreich nicht ewig so weiter gehen kann.

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Die Fakten sagen, dass Österreich zwar ein privilegiertes, aber bald kein reiches Land mehr sein wird. Die Kosten für den Wohlstand- und Wohlfühlstaat sind einfach zu hoch, Gesundheits- und Pensionssystem werden sich nicht nur mathematisch, sondern auch in der Realität nicht mehr ewig ausgehen. Doch bei der Problembekämpfung sind sich Politik und Wirtschaft sehr ähnlich. Die jeweiligen Manager/Politiker achten vor allem darauf, dass während ihrer Amtszeit alles passt, und setzen dabei auf kurzfristigen Erfolg anstatt auf langfristige Konzepte. Und so ist es nur logisch, dass die fehlenden Milliarden erst kurz nach der Wahl auffallen, um dann heruntergespielt zu werden. Macht- und Systemerhalt stehen weit über dem Wohl des Landes und niemand will den ersten Stein werfen, der eine Geröll-Lawine größeren Ausmaßes in Gang bringen könnte.

 

Wer in der Wirtschaft Milliarden versenkt, sitzt bald im Gefängnis, wer das in Österreich macht, in der Regierung.

 

Dabei wäre es ernsthaft an der Zeit, uns Österreichern eindrücklich zu erklären, dass die fetten Jahre jetzt wirklich vorbei sind, dass die Privilegien zu Ende gehen und der Staat nicht für alles verantwortlich gemacht werden kann. Der Österreicher muss endlich lernen, auf sich selbst zu schauen, und endlich aufhören, sich auf eine höhere Instanz zu verlassen. Oder wollen Sie diesen Narren wirklich Ihre persönliche Zukunft anvertrauen? Wenn Sie mehr verdienen wollen, brauchen Sie einen besseren Job oder müssen mehr arbeiten. Wenn Sie mehr oder überhaupt eine Pension erhalten wollen, sollten Sie zusätzlich auf nicht-staatliche Kanäle setzen, und wenn Sie auch in Zukunft prompt und kompetent medizinisch versorgt werden wollen, würde ich Ihnen zu einer privaten Zusatzversicherung raten. Die einzig gute Nachricht: Wenn die Zeiten härter werden, werden die, die sich mehr bemühen, auch mehr belohnt.

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Hoffentlich fließt noch viel Wasser den Inn hinab, bis Österreich auch zu den Pleitestaaten gehört. Bis dorthin wünsche ich viel Spaß beim Realitätsverweigern, Milliardenversenken und -verschenken, beim Verhandeln von Lehrer-Wochen-stunden und Metaller-Lohnerhöhungen und dem Ablenken mit sonstigen Insignien einer vielleicht arroganten, wahrscheinlich ignoranten, aber sicherlich untergehenden Wohlstandsgesellschaft.